Caupanos Welt

Eine Sammlung dessen, was mit so begegnet

Berichte über AAW-Aktion in Stuttgart

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Der Tag ist rum, das Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden hat ebenso wie der Verband für Deutschlands Video- und Computerspieler ihre Aktionen abgeschlossen und es finden sich tatsächlich einige Reaktionen von dagewesenen.

Stigma-Videospiele.de hat eine Presseschau zusammengestellt, mit scheint es so zu sein, als hätten alle diese Medien genau einen Artikel von wem auch immer kopiert, aber der geneigte Leser kann dort ja einfach mal hinsurfen und sich die Artikel selbst durchlesen.

Der SWR berichtet mit Artikel und Radiobericht etwas detaillierter, die Seite vom SWR ist hier zu finden, ich habe mir zudem erlaubt, ein (weitgehend dialektbefreites) Transskript des Radioberichts anzufertigen, das ich einfach mal hier einstelle und hoffe, dass der SWR darauf verzichtet, mit deswegen abzumahnen (sollte ein Name falsch geschrieben sein, bitte ich um Entschuldigung, das liegt an meinen Ohren und ist keine böse Absicht):

Nasskalt ist es vor der Stuttgarter Staatsoper und frostig ist auch die Stimmung in manchen Diskussionen.

„Nach deren Definition müsste ich ja schon längst Amok gelaufen sein. Ich bin jetzt achtunddreißig, spiele seit vierundzwanzig Jahren, spiele auch diese gewalttätigen Computerspiele, da kommen wir nämlich gleich mal zu der Frage, was verstehen Sie unter Killerspielen?“

„Solche Spiele, die vom US-Militär entwickelt worden sind, um die Gewalt [Anmerkung: Gemeint ist wohl „Gewalthemmschwelle“] ihrer Soldaten zu senken. Das Problem bei uns ist halt, das Spiele, die ab achtzehn freigegeben sind, Zehnjährige spielen.“

Hardy Schober vom Aktionsbündnis Winnenden hat beim Amoklauf am 15. März seine fünfzehnjährige Tochter verloren. Seither kämpft er vehement gegen Gewalt an den Schulen und in den Medien. Dazu gehört heute auch der riesige weiße Container vor der Staatsoper, wo Gewalt verherrlichende Computerspiele entsorgt werden können. Noch ist dieser Container ziemlich leer, aber es geht vor allem um die Symbolik meint Christiane Settler-Adel vom Aktionsbündnis Amoklauf.

„Natürlich freuen wir uns über jedes Spiel, das, sage ich mal, da in der Versenkung verschwindet, aber das soll einfach ein sichtbares Zeichen sein. Wir wollen ins Gespräch kommen, wir wollen in der Gesellschaft über die Werte diskutieren. Mit was beschäftigen sich Jugendliche, wie viel Zeit haben Eltern im Gespräch zu bleiben und eine gute Beziehung zu ihren Kindern zu haben. Das ist auch das Ziel der heutigen Aktion, das man ins Gespräch kommt, dass man einfach darüber spricht, wie man sensibilisiert werden kann.“
Doch dagegen wehren sich die passionierten Computerspieler vehement. Der Verband für Deutschlands Video- und Computerspieler hat unweit des Containers einen eigenen Stand aufgebaut, um gegen die Aktion zu protestieren. Patrick Schönfeld begründet dies so:

„Es ist nun leider so, dass wir Spieler jetzt seit vielen Jahren vorgeworfen bekommen, eine höchst aggressive Gruppe zu sein. Uns wird gesagt, unsere Spiele machen aggressiv, und es wird mit Amokläufen in Verbindung gebracht. Wir sehen diese Verbindung auf keinen Fall, daher fühlen wir uns in gewissem Maße auch diskriminiert.“

Auch hier gibt es heftige Diskussionen, vor allem das Plakat der Computerspieler mit der Aufschrift „Stopp dem Trauerterror“ sorgt für Kontroversen.

„Es macht mich traurig, weil ich finde, das ist eigentlich eine Unverschämtheit den Eltern gegenüber. Also absolut indiskutabel. Man muss den Eltern, die ihre Kinder verloren haben auch die Möglichkeit lassen, zu trauern und diese Trauer aufzuarbeiten.“
Der Diskussion mit den Spielern stellt sich auch Simone Thies, die in Göppingen ein Familienzentrum betreibt. Sie hat die Aktion „Familien gegen Killerspiele“ zusammen mit dem Aktionsbündnis Amoklauf organisiert, weil sie aufgrund ihrer Arbeit weiß, was die Gewaltvideos ausrichten können.

„Es geht, und das habe ich denen da drüben auch gesagt, nicht um Amoklauf, das jetzt wieder ein Amoklauf stattfinden wird, sondern einfach, dass sie sich Gedanken darüber machen, was passiert wenn ich täglich stundenlang diese Spiele spiele. Ich bin einfach gegen diese Killerspiele weil ich durch meine Arbeit einfach mitbekomme, was sich daraus entwickeln kann, und dieses Aggressionspotential steigt einfach massiv“.

Das kann ich so nicht unkommentiert stehen lassen, daher ein paar Anmerkungen:

  1. Vom US-Militär wurden keine Spiele entwickelt. Herr Schober bezieht sich hier wahrscheinlich auf den Taktik-Shooter America’s Army. Dieses (kostenlose) Spiel wurde im Auftrag der US-Army entwickelt, und zwar als Rekrutierungswerkzeug, und von der USK für Jugendliche ab 16 Jahren freigegeben. Ansonsten hat kein mir bekanntes Militär irgend etwas mit einem mit bekannten Shooter zu tun gehabt.
  2. Wenn das AAW tatsächlich über „gewaltbeherrschte Spiele“ ins Gespräch kommen möchte, dann ist die Behauptung, der Intellekt von Computerspielern sei nicht sehr hoch, nicht unbedingt ein guter Einstieg dafür. Liebes AAW, mal unter uns: Wenn man mit jemandem Diskutieren will, gelingt das nicht, indem man den Diskussionpartner beleidigt. Ein Diskussionsangebot sieht anders aus. Auch eine ungeschickt gewählte Grafik, die  Computerspiele in die Nähe von Nazipropaganda rückt ist hierfür wenig geeignet (s. mein Post von gestern).
  3. Zum Thema „Trauerterror“ sei gesagt, dass so ein Plakat in der Tat äußerst ungeschickt ist (um mich mal sehr vorsichtig auszudrücken). Andererseits ist dies auch als Hinweis an das Aktionsbündnis und die Darstellung in der Presse zu sehen, wie die Wirkung der Aktionen und die Berichte in der Presse auf Computerspieler ist: Die von der Betroffenheit ausgelöste Generaldiskriminierung der Computerspiele wirkt auf die Spieler anscheinend ein bisschen wie Mobbing oder sowas. Da sollte man vielleicht mal drüber nachdenken.
  4. Frau Thies Erfahrungen decken sich allem Anschein nicht mit aktuellen wissenschaftlichen Studien, so zeigen die folgenden Beispiele, dass ein Zusammenhang nicht oder nur marginal existiert:

Das junge Menschen an Medien oder Stoffe kommen, die für ihr Alter nicht geeignet sind, ist ein Problem, dem begegnet werden muss, das ist keine Frage. Allerdings ist das eben ein generelles Problem. Kinder trinken. Kinder rauchen. Kinder konsumieren Pornos und Kinder spielen Erwachsenen vorbehaltene Spiele. Bisher hat niemand eine gute Möglichkeit dagegen gefunden, außer, dass die Eltern ihrer Aufsichtspflicht nachkommen und das unterbinden.

Welch ein Aufschrei ginge wohl durch das Land, wenn jemand in einer Aktion in einer Innenstadt dazu aufriefe, alkoholische Getränke einzusammeln und im Gulli zu entsorgen? Würden Gegner dieser Aktion wohl als minderbemittelte Säufer dargestellt? Wohl kaum. Nur haben Gamer halt nicht so eine starke Lobby wie Brauer, Brenner oder Winzer.

Wer übrigens den Erfolg der Aktion an gesammelten Spielen bemessen will, der sei auf das Video verwiesen, dass Markus von netzpolitik.org vom Inneren des Containers fand.

Caupano

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Written by caupano

17. Oktober 2009 um 20:27

Veröffentlicht in Computerspiele

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