Caupanos Welt

Eine Sammlung dessen, was mit so begegnet

Archive for the ‘Computerspiele’ Category

Es geht weiter…

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So langsam bekomme ich immer mehr das Gefühl, dass Menschen in unserem Land aus unserer Geschichte nicht das geringste gelernt haben.

Zuerst hatten wir dieses Jahr den Beschluss von Zensurgesetzen über das Internet durch DNS-Sperren und Plänen zur Errichtung einer Infrastruktur, die geeignet ist, die freie Wahl des DNS-Servers von Seiten des Dienstnehmers zu unterbinden, ein Gesetz, dass durch die neue Regierung nicht gestoppt sondern allenthalben auf die lange Bank geschoben wurde, wohl mit der Hoffnung, die Aktivisten würden im Laufe des „Evaluationszeitraum“ vergessen, dass es überhaupt existiert hat und es dann ohne Probleme durchzusetzen.

Danach wurde die durch die Amokläufe der letzten Jahre angestoßene Diskussion um Computerspiele weiter verschärft: Presse und private Vereine wiederholten wieder und wieder die Mär von der angeblichen Beeinflussung der Jugend durch Computerspiele, und das so lange und intensiv, dass mittlerweile sogar intelligente und ansonsten medienkritische Freunde von mir glauben, dass an der ganzen Sache ja irgend etwas dran sein muss (so hat das Cato damals auch geschafft). So konnte, unter durchweg positiver Berichterstattung der etablierten Medien, das Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden eine Compupterspielvernichtungsaktion in Stuttgart durchführen und genügend Geld zusammenbekommen, eine Stiftung zu gründen, über die ich bereits berichtete.

Aber damit hört es nicht auf. Mittlerweile ist zu lesen, dass Heinz Veigel, Lehrer aus Altensteig und Mitglied der pietistischen Ludwig-Hofacker-Vereinigung, es dem AAW nach tat und in seiner Klasse eine „Killerspielvernichtungsbox“ aufstellte. Für die von der Gesellschaft erscheinende Zeitung „Information und Orientierung“ berichtete er, diese Box fände „große Resonanz“.

Wenn meine Internetrecherchen zutreffend sind, dann handelt es sich bei dieser Schule und die Realschule Altensteig, allerdings gibt es dort keine Informationen über das Kollegium einzusehen – auch nicht, ob und was Herr Veigel dort unterrichtet.

Das ganze ist ein Skandal, anders kann ich das nicht nennen. Ein Lehrer, der seine minderjährigen Schüler (die meisten sollten eine Realschule mit 16 Jahre verlassen) dazu auffordert, Kulturgüter zu vernichten, gehört dafür abgemahnt.

Der Lehrer (wenn es sich nicht um eine zufällige Namensgleichheit handelt) gehört übrigens zum Trägerkreis einer Gruppe von Menschen, deren erklärtes Ziel es ist, das Schulsystem zu unterwandern und es gemäß ihrer religiöser Auffassungen umzugestalten: (ich zitiere von der Webseite www.christen-erziehen.de)

Christen erziehen will deshalb […] ein Netzwerk aller am Erziehungsauftrag beteiligten Gruppen […] aufbauen, […] [um] als Christen in der Schule zu wirken, und dadurch Einfluss auf das Erziehungssystem zu nehmen.“

Ich bin schockiert und werde mich mal an die Piratenpartei Baden-Württemberg wenden, ob die nicht irgend etwas in der Sache unternehmen können.

Es grüßt
Caupano

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Written by caupano

5. November 2009 at 14:58

Veröffentlicht in Computerspiele, Politik

Studien über Pornographie übertragen auf Killerspiele

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Von Mortipher in den Kommentaren von stigma-videospiele.de darauf aufmerksam gemacht habe ich mir einmal etwas über Studien angesehen, die es über den möglichen Zusammenhang von Pornographie und Sexualstraftaten gibt.

Die Idee dabei war, dass hier ja auch ein Konsum von Medien stattfindet, die Gesellschaftlich nicht sehr gut ankommen und auch hier immer wieder das Argument gebracht wird, dass Menschen, die Pornos sehen, das Gesehene in Form von Sexualstraftaten in die Tat umsetzen würden. Ich muss aber zugeben, dass mir im Moment die Zeit fehlt, die Studien alle selber zu lesen, weshalb ich mir erlaube die Dinge, die ich für relevant halte, von Martin Ebers übernommen habe, von dem auch die Quellenangaben stammen (@Martin Ebers: Wenn Sie das lesen: ein großes DANKE fürs an-meiner-Stelle-Lesen-und-Zusammenfassen, hoffe, Sie können mit der Übername mit Quellenangabe zu Ihnen leben, sonst lösche ich das hier wieder …).

Kuchinsky[1] zeigt auf, dass Sexualstraftäter in ihrer Jugend nicht mehr, sondern weniger Kontakt zu Pornographie hatten als gleichaltrige, als Erwachsene nicht mehr Pornographie konsumierten als andere Erwachsene ihrer Schicht und direkt nach dem Konsum nicht häufiger sexuell aktiv waren als Nichttäter.
Weiterhin stellt er die These auf, dass Ponographie geeigent sei, sexuelle Spannungen abzubauen, die andernfalls zu Straftaten geführt hätten. Um dies zu belegen, setzt er die Fallzahlen von Sexualverbrechen in Beziehung zu der Herangehensweise in Bezug auf Pornographie und stellt in der Tat fest, dass in Phasen der Liberalisierung die Anzahl der Straftaten mit sexuellem Hintergrund sinken, während sie in Phasen der rigideren Herangehensweise steigen. Insbesondere für Deutschland stellt er fest, dass seit der Legalisierung der Ponographie im Jahre 1973 die Fallzahlen stetig gesunken sind.

Für Japan kommen Diamond und Uchiyama[2] zu demselben Schluss. So nahmen dort seit Legalisierung der Pornographie die Fallzahlen von Vergewaltigungen um 68%, die von Sexualstraftaten im Allgemeinen um 85% ab.

Darüber hinaus stellt Ertel[3] fest, dass sich das Verhältnis zu Sexualität und Partnerschaft von Konsumenten und Nichtkonsumenten nicht unterscheidet und findet weiterhin keine Hinweise, dass es beim Konsumenten zu einer Art Abstumpfung oder Gewöhnung kommt, so dass er, wie häufig behauptet wird, immer härteres Material „braucht“.

Alles in Allem ist also festzustellen, dass entgegen der langläufigen Meinung der gesellschaftliche Konsum von Pornos diese nicht nur nicht negativ beeinflusst, sondern diese sogar, durch eine Senkung der Sexualverbrechen, verbessert.

Überträgt man diese Ergebnisse nun gedanklich auf die so genannten „Killerspiele“, kommt man zumindest zu der These, dass auch diese dazu beitragen könnten, dass potentielle Täter ihre Frustration am Computer kompensieren und es dadurch zu einem Spannungsabbau kommt und somit der Spieler dieser Spiele eben gerade nicht gewalttätig wird und wir langfristig durch das legale Vorhandensein dieser Spiele einen Rückgang der Gewalttaten unter Jugendlichen werden beobachten können.

Caupano

[1] Kutchinsky, Berl, „Pornography, Sex Crime, and Public Policy“, in: Sally-Anne Gerull/Boronia Halstead (Hrsg.), „Sex industry and public policy“, AIC Conference Proceedings No.14, Canberra: Australian Institute of Criminology, 1992

[2] Diamond, Milton; Uchiyama, Ayako, „Pornography, Rape, and Sex Crimes in Japan“, in: International Journal of Law and Psychiatry, Vol.22(1), 1999, S.1-22

[3]Ertel (1990), keine genauere Quelle angegeben.

Written by caupano

5. November 2009 at 06:37

Veröffentlicht in Computerspiele

Genau hingesehen: helles Tageslicht auf die AAW-Stiftung

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Allzu häufig wird darüber geklagt, in unserer Gesellschaft gäbe es eine Kultur des Wegsehens. Nun, ich will es besser machen und habe ganz genau hingesehen, nämlich in die Stiftungsbroschüre des AAW. Meine Gedanken dazu gibt es hier:

(1) Seitentitel „Vorworte“

„Das Gesehene und Erlittene hat die Betroffenen zu Seelenverwandten zusammengeschweißt“

Schobers Führungsstil hat schon einige der Seelenverwandten aus den Reihen des AAW herausgetrieben (s. Post vom 16.10.)

(2) Seitentitel „Aus der Satzung der Stiftung“

„Die evangelische Kirche erfüllt wichtige Aufgaben im Leben von Kindern und Jugendlichen im Hinblick auf Bildung, Erziehung und Betreuung.“

Ich will hier die evangelische Kirche nicht kleinreden, frage mich aber, ob die evangelische Kirche hier allein genannt werden sollte. Zum einen gibt es auch noch andere, zum andere ist die evangelische Kirche aber auch nicht für alle geeignet, Kinder mit anderem religiösen und konfessionellem Hintergrund mögen gegebenenfalls gar nicht von der evangelischen Kirche vertreten werden.

(3) Seitentitel „Was wir jetzt nicht bewegen, wird möglicherweise nie bewegt“

„Obgleich bis heute keine einheitlichen Erklärungsmuster existieren, scheinen Parallelen erkennbar“

Hier werden Schlüsse aus dem Scheinbaren gezogen. Dazu erübrigt sich wohl jeder Kommentar.

„Die jugendlichen Täter gelten als still und unauffällig […] stets liegt ein auffälliger […] Medienkonsum vor“

Was denn nun? Auffällig oder nicht? Da sollte man sich schon entscheiden…

Außerdem hat Georg R. (Amoklauf von Ansbach) keine entsprechenden Computerspiele gespielt.

„Bei Ego-Shooter-Spielen lernen die Täter nicht nur Treffsicherheit[…]“

Wenn man mit Maus und Tastatur zielt, lernt man gar keine Treffsicherheit mit Waffen, das ist kompletter Unsinn, wie jeder, der schon einmal mit Waffen umgegangen ist, bestätigen kann.

„[Computerspiele, in denen] ein bewaffneter Aggressor virtuelle Gegner abschießt[…]“

Der Spieler, dass muss man hier einmal festhalten, ist in der überwiegenden Mehrzahl (um nicht zu sagen quasi allen) der Shooter nicht Agressor. Die Spielperspektive ist in der Regel die Sicht eines Soldaten oder Mitglieds einer Spezialeinheit, der die Welt, sein Land oder unschuldige vor den Agressoren beschützt. Einige Beispiele

  • Doom 1,2,3: Gespielt wird ein Soldat der Marines, der auf anderen Welten die Mächte der Hölle bekämpft
  • FarCry: Gespielt wird ein Ex-Marine, der aufgrund äußerer Umstände gegen eine Gentechnikfirma kämpfen muss, die genetisch veränderte Superkrieger züchten will
  • Call of Duty 1,2,3: Der Spieler kämpft in der Rolle verschiedener alliierter Infanteristen im zweiten Weltkrieg gegen Nazideutschland

Für persönlichkeitsgestörte Jugendliche gelten diese Spiele als möglicher Risikofaktor[…]

Man lasse sich das auf der Zunge zergehen: Für psychisch Kranke Jugendliche gelten diese Spiele als möglicher Risikofaktor. Hier ist die Broschüre eigentlich sehr genau: Man weiß nicht im geringsten, ob auch nur einer der Punkte mit irgend einem anderen in irgend einer Weise zusammenhängt. Schade nur, dass man sich trotzdem zutraut, aus dieser unsicheren Basis Schlüsse zu ziehen.

„[…]Gefährdung durch Waffen, Killerspiele und Gewalt[…]“

Diese Gefährdung ist auch einen Absatz später immer noch nicht wissenschaftlich erwiesen, bei Computerspielen ist sogar bewiesen, dass sie keine Gefährdung darstellen.

„Gründung eines Expertenrates mit Rechtswissenschaftlern, Kriminologen, Psychiatern, Psychologen und Erziehungswissenschaftlern. Der Rat soll Risikofaktoren erkennen, einen Katalog erarbeiten und in schnell realisierbare Präventionsprojekte umsetzen.“

Ich denke nicht, dass dieser Rat durch neutrale Forschung und Recherche zu Ergebnissen kommen kann. Was passiert, wenn man die Spielekiller mit Fakten konfrontiert, die nicht in ihr Weltbild passen, hatte ich am 27.10. bereits berichtet.

Darüber hinaus bin ich kein Fan von Schnellschüssen, schnell realisierbare Präventionsprojekte müssen nicht unbedingt diejenigen sein, von denen die besten Ergebnisse zu erwarten sind – wo allerdings keine ordetnliche Grundlagenforschung zu erwarten ist, ist es eigentliche sowieso egal…

„Realisierung einer Musterschule mit Vorbildcharakter für ein Höchstmaß an Sicherheit in Hinblick auf Krisenplanung, bauliche Maßnahmen wie […] der Einbau von Sicherheitstüren (Spion, schusssicher, Türknauf statt -griff)[…]“

Und da sind sie schon, die Schnellschüsse, vor denen ich gewarnt hatte. Erstmal bauen, dann erforschen. Wer denkt sich sowas nur aus?

Außerdem halte ich eine mit schusssicheren Türen und ähnliche baulichen Maßnahmen ausgestattete Schule für ungeeignet, um junge Menschen zu erziehen. In einem Gebäude, dass den Charme von Alcatraz ausstrahlt, sind Kinder und Jugendliche wohl kaum zu freien und selbstverantwortlichen Erwachsenen zu erziehen. Umfragen unter Schülern zeigen, dass schon Kameras geeignet sind, das Lernklima sehr negativ zu beeinflussen (Pressemitteilung der LandesschülerInnenvertretung NRW), und da waren andere Maßnahmen noch nicht einmal angedacht.

Darüber hinaus zeigen Studien, dass durch das Anbringen von Videoüberwachungsanlagen die Angst davor, Opfer eines Verbrechens zu werden ansteigt. (Kata Veil: „Videokontrolle und Planung für den öffentlichen Raum“, Florian Glatzner: „Die staatliche Videoüberwachung des öffentlichen Raumes als
Instrument der Kriminalitätsbekämpfung
“). Wenn dies schon für Kameras gilt, ist nicht zu erwarten dass andere, noch offensichtlichere Maßnahmen die Angst vor einem Amoklauf noch mehr verstärken? Und ist es wünschenswert, dass unsere Kinder in ihren Schulen, in denen sie einen gutteil ihrer Zeit verbringen, dauerhaft der Angst ausgesetzt werden, sie könnten von einem psychisch kranken Täter überraschend ermordet werden? Ich finde nicht.

„Kanalisierung […] Veröffentlichung und möglichst flächendeckende Verbreitung [der Erfahrungsberichts aus bestehenden Schulprojekten. […] Die Projekte stärken das Vertrauensverhältnis zwischen Lehrern und Schülern“

Hatte ich bereits von voreiligen, unbewiesenen Schlüssen geschrieben? Ich denke schon. Eine gute Idee wäre es, die Erfahrungsberichte zunächst einmal zu sammeln, die Projekte durch geeignete Maßnahmen zu evaluieren und diese Ergebnisse zu veröffentlichen. Projekte mit guten Ergebnissen könnten dann an andere Schulen verteilt werden. Auf diesem Weg könnten sehr viele Schulen von Modellprojekten profitieren. Wenn man aber ohne Evaluation Schlüsse zieht, gibt man leicht Unmengen von Geld und Ressourcen für Projekte aus, die keinen positiven Effekt haben (s.o.).

Finanzierung von Schulpsychologen, um Lehrer bei auffälligen Schülern zu unterstützen

Prinzipiell eine sehr gute Idee. Aber: Die Täter der Amokläufe in Deutschland waren unauffällig, das steht sogar ganz vorne in der Broschüre drin. Auch wenn die Psychologen sicherlich gebraucht werden, die Täter wären mit ihnen sicherlich nicht in Kontakt gekommen (außer durch auffällig unauffälliges Verhalten, über das ich ja bereits schrieb).

„Der Notruf soll aber auch gezielt Jugendlichen helfen, die sich in der Schule benachteiligt und/oder der Verfolgung und dem Spott von Kameraden, Mitschülern und Lehrern oder einem enormen Leistungsdruck der Eltern ausgesetzt fühlen.“

Einen solchen Notruf gibt es bereits. Man nennt dieses Projekt das Kinder- und Jugendtelefon (KJT) oder auch die Nummer gegen Kummer. Unter 0800 1110333 kümmern sich deutschlandweit unzählige Eherenamtliche um die großen und kleinen Sorgen der Kinder. Warum das AAW diese Arbeit durch ein Konkurrenzprodukt torpedieren möchte, ist mir unklar. Oder weiß man vielleicht gar nicht, dass es so etwas gibt? Hilfreich wäre in jedem Fall, statt einen neuen Notruf zur Beratung Jugendlicher einzurichten dem KJT das dafür vorgesehene Geld zukommen zu lassen, aus dass die etablierte und gute Arbeit noch weiter ausgebaut und verbessert werden kann.

(4) „Pressearbeit“

Durch die Berichterstattung in den Medien sollen Regierungsgremien, Gesetzgebung und Bevölkerung auf bestehende Risikofaktoren für Schul-Amokläufe sensibilisiert werden.

  • Zusammenhang zwischen Amok und Zugang zur Tatwaffe[1]
  • Intensiver Gebrauch von Killerspielen [2]

Und an dieser Stelle weiß ich auch, warum ich mir bei den AAW-Publikationen wie bei einer Rede von Cato fühle. „Ceterum censeo Carthaginem esse delendam“ – wenn man es nur oft genug wiederholt wird schon irgendwas hängen bleiben, und das sagt das AAW hier ja auch ganz klar: Die Berichterstattung soll den Einfluss ausüben. Fakten, Studien und ähnliches zu verwenden ist einfach nicht der Stil des AAW.

[1] Das Tatwaffe alles mögliche sein kann, hat Georg R. bereits bewiesen. Außerdem sei darauf hingewiesen dass es Schützenvereine (die ja immer gern als „Quelle“ der Tatwaffen angesehen werden) schon deutlich länger als die Bundesrepublik Deutschland gibt – hätten diese also einen Einfluss, müssten wir uns bereits alle gegenseitig umgebracht haben…

[2] Wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder wird falscher wiedergekäut. Der aufmerksame Leser lese die Studien, die ich angegeben habe.

Fazit

Die zu gründende Stiftung des AAW wird leider genau das gleiche gequirte Exkrement wie das AAW verbreiten, fordern und fördern. Hätte man sich stattdessen zu einem Programm der ergebnisoffenen Forschung mit Experten entschlossen, wäre es vielleicht möglich gewesen das ganze eingesammelte Geld zu einem vernünftigen Zweck zu verwenden und damit tatsächlich Amokläufe zu verhüten. So wird es nur eingesetzt, um die Kluft zwischen Spielern und Nichtspielern bzw. Schützen und Nichtschützen weiter zu vergrößern.

Schade, meint der
Caupano

Written by caupano

3. November 2009 at 07:19

Veröffentlicht in Computerspiele, Politik

Warkus spricht über Computerspiele, Gegner empört

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Wie gerne würde ich auch mal über was anderes schreiben, was sie so ergibt, aber die Killerspielgegner lassen mich nicht los.

Am 23.10. sprach Prof.Dr. Hartmut Warkus bei der Veranstaltung „Roter Stuhl“ der SPD Weissacher Tal über so genannte Killerspiele und durfte erleben was passiert, wenn man den Gegner dieses ultimativen Angriffs auf das friedliche Abendland Fakten präsentiert, die nicht in ihr Weltbild passen: Gäste des Vortrag beschwerten sich darüber, genötigt worden zu sein, sich Szenen aus CounterStriken ansehen zu müssen und bezeichneten den Vortrag als eine Werbeveranstaltung für Killerspiele (es berichten die Stuttgarter Nachrichten, bkz-online sowie stigma-videospiele) .

Man fragt sich natürlich, wen die SPD zum Erscheinen genötigt hat – allerdings traue ich es dem Veranstalter eigentlich nicht zu, die Gäste des Vortages mit Gewalt oder durch Drohung mit einem empfindlichen Übel zum Erscheinen gezwungen zu haben, und so verwerflich finde ich das Ansinnen, einen Dialog zwischen Spielern und Nichtspielern erreichen zu wollen eigentlich auch nicht (s. Definition Nötigung in der Wikipedia). Sollten sie nicht unter Zwang da gewesen sein hätten die schwer getroffenen Computerspielgegner ja den Raum auch einfach verlassen können, damit hätten sie auch gleich deutlich gezeigt, wie ernst es ihnen mit ihrer immer wieder der Presse gegenüber geäußerten Diskussionsbereitschaft ist.

Auch zeigt die Wahrnehmung von wissenschaftlichen Forschungsergebnissen als Werbeveranstaltung, was die Gegner dieser Spiele von einen vernünftigen Diskurs halten und demonstriert deutlich, dass sie ihr festgefahrenes Weltbild auf keinen Fall aufgrund harter Fakten überprüfen wollen. Hier sind sie, darin religiösen Fundamentalisten ähnlich, nur zu lautem Gezeter und der Wiederholung immer der selben Phrasen in der Lage, nicht jedoch der kritischen Auseinandersetzung.

Wie sangen doch dereinst die WiseGuys „…das Leben ist zu kurz für Toleranz gegen radikale Deppen…“ (WiseGuys, Das Leben ist zu kurz, Ganz weit Vorne, 2001), nicht, dass ich das jetzt grundsätzlich unterschreiben würde, aber ein Stück weit verstehen kann ich schon, was sie meinten.

Meint der
Caupano

Written by caupano

27. Oktober 2009 at 22:55

Veröffentlicht in Computerspiele

Computerspiele => Gewalt?

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Woher kommt eigentlich das Gefühl in Menschen, dass andere Menschen und insbesondere Kinder und Jugendliche durch das ansehen von virtueller Gewalt selber gewalttätig werden?

Ich fürchte, das haben wir dem Psychologen Bandura zu verdanken: In seiner Bobo Doll Study (1965) [hier stark verkürzt dargestellt, ganzer Aufbau siehe Wikipedia] zeigt er Kleinkindern aggressives Verhalten menschlicher Akteure gegen eine aufblasbare Puppe und beobachtete, dass die Kinder, waren sie später in einem Raum mit eben dieser Puppe, ebenso aggressives Verhalten gegenüber der Puppe zeigten.

Daraus schloss Bandura, dass Menschen gezeigtes aggressives Verhalten lernen und das später auch einsetzen.

Ich muss an dieser Stelle mal sagen, so sehr man die großen Psychologen respektieren muss, ich halte seinen Schluss für falsch:

  • Seine Studien beziehen auch auf Kleinkinder. Daraus auf das Verhalten von Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen zu schließen ist, vorsichtig gesagt, äußerst gewagt.
  • Das Setting ist, wie bei klassischen Experimenten üblich, künstlich geschaffen. Inwieweit sich das Verhalten auf reale Situationen übertragen lässt, ist offen.
  • Seine Studien zeigen, dass die Kleinkinder eine Puppe verprügeln, nachdem sie gesehen haben, wie jemand eine Puppe verprügelt. Auch kleinen Kindern ist klar, dass es einen Unterschied macht, ob man auf einen Teddybären oder seinen Spielkameraden eindrischt. Es ist also fraglich, ob die beobachtete Aggression auch gegenüber Spielkameraden gezeigt worden wäre.
  • Die Studie zeigt die Kinder sofort nach dem Video. Inwieweit sich das angeblich erlernte generelle aggressive Verhalten auch noch eine Stunde oder einen Tag später zeigt, bleibt offen – die Frage, ob das erlernte Verhalten persistent ist, wird also nicht beantwortet.
  • Das Verhalten von Menschen allein auf Modelllernen zu reduzieren zeigt ein sehr eingeschränktes Menschenbild. Wie Menschen lernen ist immer noch Gegenstand der psychologischen Forschung, und es gibt recht viele weitere Lerntheorien. Wenn also Banduras Modelllernen zum menschlichen Lernen gehört, erklärt es allenthalben einen Teil des Erlernten und daraus resultierenden Verhalten.

Ich komme zu dem Schluss, dass Banduras Studie zwar interessant, wohl auch wegweisend aber nicht erschöpfend ist und das Auftreten von Gewalt von Seiten Jugendlicher nicht erklären kann – mehr noch, das Fehlen massiver Jugendgewalt trotz medialer Berieselung durch „Tom & Jerry“ und Western (zur Zeiten Banduras), diverser (Computer-)Spiele (s. gestern) und der Existenz von Ego-Shootern seit 1992 (ein Spiel, das soweit ich weiß immer noch auf dem Index steht, weshalb ich es hier einmal „Schloss Hundefels“ nennen will, um mich nicht der illegalen Werbung schuldig zu machen) zeugt doch davon, dass es ein wenig mehr als Medien braucht, um Menschen dazu zu bringen, andere Menschen zu verletzen oder gar zu töten – sogar, wenn es sich um Jugendliche handelt.

Hach, wenn es nur einen Weg gäbe, das den Bücherverbrennern Gegnern von Computerspielern zu erklären.

Seufzt der
Caupano

Written by caupano

26. Oktober 2009 at 15:21

Veröffentlicht in Computerspiele

Andere Dinge, die so gefährlich sind wie brutale Killerspiele

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Man sollte meinen, die Welt hätte noch niemals solchen Gefahren ins Gesicht sehen müssen wie den brutalen Killerspielen, die ja bekanntermaßen am gewalttätigen Verhalten der Schüler dieser Welt die Schuld tragen sollen – allerdings, dafür wurden auch schon andere Säue durchs Dorf getrieben:

  • 1979 und in den Folgejahren waren es Pen-And-Paper-Rollenspiele (wer sich nicht erinnert: dafür brauchte man noch keinen PC, nur Bleistift und Würfel), wie SpiegelOnline in einem Artikel von 15.10. ganz wunderbar aufzeigt, und
  • 1993 mussten SuperMario und Zelda für eine Geiselname durch einen Schüler in Frankreich den Sündenbock spielen, eine Übersetzung des Artikels findet sich dankenswerterweise bei stigma-videospiele.de

Was lehrt uns das? Die Argumente bleiben gleich, die Böcke wechseln – es bleibt also die Hoffnung, dass brutale Killerspiele irgendwann ihren Rang als gefährlichste Spiele der Welt an ein neues Medium abtreten dürfen, mit dem dann wahrscheinlich unsere Kinder spielen.

Es grüßt,
Caupano

PS: Wer sich wundert, warum in diesem Post so viele brutale Killerspiele vorkommen, möge sich das aktuelle Video von coldmirror ansehen

Written by caupano

25. Oktober 2009 at 21:21

Veröffentlicht in Computerspiele

Berichte über AAW-Aktion in Stuttgart

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Der Tag ist rum, das Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden hat ebenso wie der Verband für Deutschlands Video- und Computerspieler ihre Aktionen abgeschlossen und es finden sich tatsächlich einige Reaktionen von dagewesenen.

Stigma-Videospiele.de hat eine Presseschau zusammengestellt, mit scheint es so zu sein, als hätten alle diese Medien genau einen Artikel von wem auch immer kopiert, aber der geneigte Leser kann dort ja einfach mal hinsurfen und sich die Artikel selbst durchlesen.

Der SWR berichtet mit Artikel und Radiobericht etwas detaillierter, die Seite vom SWR ist hier zu finden, ich habe mir zudem erlaubt, ein (weitgehend dialektbefreites) Transskript des Radioberichts anzufertigen, das ich einfach mal hier einstelle und hoffe, dass der SWR darauf verzichtet, mit deswegen abzumahnen (sollte ein Name falsch geschrieben sein, bitte ich um Entschuldigung, das liegt an meinen Ohren und ist keine böse Absicht):

Nasskalt ist es vor der Stuttgarter Staatsoper und frostig ist auch die Stimmung in manchen Diskussionen.

„Nach deren Definition müsste ich ja schon längst Amok gelaufen sein. Ich bin jetzt achtunddreißig, spiele seit vierundzwanzig Jahren, spiele auch diese gewalttätigen Computerspiele, da kommen wir nämlich gleich mal zu der Frage, was verstehen Sie unter Killerspielen?“

„Solche Spiele, die vom US-Militär entwickelt worden sind, um die Gewalt [Anmerkung: Gemeint ist wohl „Gewalthemmschwelle“] ihrer Soldaten zu senken. Das Problem bei uns ist halt, das Spiele, die ab achtzehn freigegeben sind, Zehnjährige spielen.“

Hardy Schober vom Aktionsbündnis Winnenden hat beim Amoklauf am 15. März seine fünfzehnjährige Tochter verloren. Seither kämpft er vehement gegen Gewalt an den Schulen und in den Medien. Dazu gehört heute auch der riesige weiße Container vor der Staatsoper, wo Gewalt verherrlichende Computerspiele entsorgt werden können. Noch ist dieser Container ziemlich leer, aber es geht vor allem um die Symbolik meint Christiane Settler-Adel vom Aktionsbündnis Amoklauf.

„Natürlich freuen wir uns über jedes Spiel, das, sage ich mal, da in der Versenkung verschwindet, aber das soll einfach ein sichtbares Zeichen sein. Wir wollen ins Gespräch kommen, wir wollen in der Gesellschaft über die Werte diskutieren. Mit was beschäftigen sich Jugendliche, wie viel Zeit haben Eltern im Gespräch zu bleiben und eine gute Beziehung zu ihren Kindern zu haben. Das ist auch das Ziel der heutigen Aktion, das man ins Gespräch kommt, dass man einfach darüber spricht, wie man sensibilisiert werden kann.“
Doch dagegen wehren sich die passionierten Computerspieler vehement. Der Verband für Deutschlands Video- und Computerspieler hat unweit des Containers einen eigenen Stand aufgebaut, um gegen die Aktion zu protestieren. Patrick Schönfeld begründet dies so:

„Es ist nun leider so, dass wir Spieler jetzt seit vielen Jahren vorgeworfen bekommen, eine höchst aggressive Gruppe zu sein. Uns wird gesagt, unsere Spiele machen aggressiv, und es wird mit Amokläufen in Verbindung gebracht. Wir sehen diese Verbindung auf keinen Fall, daher fühlen wir uns in gewissem Maße auch diskriminiert.“

Auch hier gibt es heftige Diskussionen, vor allem das Plakat der Computerspieler mit der Aufschrift „Stopp dem Trauerterror“ sorgt für Kontroversen.

„Es macht mich traurig, weil ich finde, das ist eigentlich eine Unverschämtheit den Eltern gegenüber. Also absolut indiskutabel. Man muss den Eltern, die ihre Kinder verloren haben auch die Möglichkeit lassen, zu trauern und diese Trauer aufzuarbeiten.“
Der Diskussion mit den Spielern stellt sich auch Simone Thies, die in Göppingen ein Familienzentrum betreibt. Sie hat die Aktion „Familien gegen Killerspiele“ zusammen mit dem Aktionsbündnis Amoklauf organisiert, weil sie aufgrund ihrer Arbeit weiß, was die Gewaltvideos ausrichten können.

„Es geht, und das habe ich denen da drüben auch gesagt, nicht um Amoklauf, das jetzt wieder ein Amoklauf stattfinden wird, sondern einfach, dass sie sich Gedanken darüber machen, was passiert wenn ich täglich stundenlang diese Spiele spiele. Ich bin einfach gegen diese Killerspiele weil ich durch meine Arbeit einfach mitbekomme, was sich daraus entwickeln kann, und dieses Aggressionspotential steigt einfach massiv“.

Das kann ich so nicht unkommentiert stehen lassen, daher ein paar Anmerkungen:

  1. Vom US-Militär wurden keine Spiele entwickelt. Herr Schober bezieht sich hier wahrscheinlich auf den Taktik-Shooter America’s Army. Dieses (kostenlose) Spiel wurde im Auftrag der US-Army entwickelt, und zwar als Rekrutierungswerkzeug, und von der USK für Jugendliche ab 16 Jahren freigegeben. Ansonsten hat kein mir bekanntes Militär irgend etwas mit einem mit bekannten Shooter zu tun gehabt.
  2. Wenn das AAW tatsächlich über „gewaltbeherrschte Spiele“ ins Gespräch kommen möchte, dann ist die Behauptung, der Intellekt von Computerspielern sei nicht sehr hoch, nicht unbedingt ein guter Einstieg dafür. Liebes AAW, mal unter uns: Wenn man mit jemandem Diskutieren will, gelingt das nicht, indem man den Diskussionpartner beleidigt. Ein Diskussionsangebot sieht anders aus. Auch eine ungeschickt gewählte Grafik, die  Computerspiele in die Nähe von Nazipropaganda rückt ist hierfür wenig geeignet (s. mein Post von gestern).
  3. Zum Thema „Trauerterror“ sei gesagt, dass so ein Plakat in der Tat äußerst ungeschickt ist (um mich mal sehr vorsichtig auszudrücken). Andererseits ist dies auch als Hinweis an das Aktionsbündnis und die Darstellung in der Presse zu sehen, wie die Wirkung der Aktionen und die Berichte in der Presse auf Computerspieler ist: Die von der Betroffenheit ausgelöste Generaldiskriminierung der Computerspiele wirkt auf die Spieler anscheinend ein bisschen wie Mobbing oder sowas. Da sollte man vielleicht mal drüber nachdenken.
  4. Frau Thies Erfahrungen decken sich allem Anschein nicht mit aktuellen wissenschaftlichen Studien, so zeigen die folgenden Beispiele, dass ein Zusammenhang nicht oder nur marginal existiert:

Das junge Menschen an Medien oder Stoffe kommen, die für ihr Alter nicht geeignet sind, ist ein Problem, dem begegnet werden muss, das ist keine Frage. Allerdings ist das eben ein generelles Problem. Kinder trinken. Kinder rauchen. Kinder konsumieren Pornos und Kinder spielen Erwachsenen vorbehaltene Spiele. Bisher hat niemand eine gute Möglichkeit dagegen gefunden, außer, dass die Eltern ihrer Aufsichtspflicht nachkommen und das unterbinden.

Welch ein Aufschrei ginge wohl durch das Land, wenn jemand in einer Aktion in einer Innenstadt dazu aufriefe, alkoholische Getränke einzusammeln und im Gulli zu entsorgen? Würden Gegner dieser Aktion wohl als minderbemittelte Säufer dargestellt? Wohl kaum. Nur haben Gamer halt nicht so eine starke Lobby wie Brauer, Brenner oder Winzer.

Wer übrigens den Erfolg der Aktion an gesammelten Spielen bemessen will, der sei auf das Video verwiesen, dass Markus von netzpolitik.org vom Inneren des Containers fand.

Caupano

Written by caupano

17. Oktober 2009 at 20:27

Veröffentlicht in Computerspiele