Caupanos Welt

Eine Sammlung dessen, was mit so begegnet

Strafen schrecken nicht ab (auch nicht vom Filesharing)

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Und wieder mal ein wunderbares Beispiel für alle konservativen Kreise, in denen immer noch geglaubt wird, harte Strafen hätten eine abschreckende Wirkung, heute auf gulli.com zum Thema Filesharing:

Da haben doch schwedische Sozialforscher herausgefunden, dass die harte Strafen für illegales Filesharing nicht dazu geführt haben, dass die schwedischen Jugendlichen mit dem Tauschen aufgehört haben. Ist schon witzig, das das mit der Abschreckung nicht funktioniert, hat Volker Pispers schon 2004 herausgefunden.

Ich bin aber relativ sicher, dass auch nach dieser Studie die angesprochenen Kreise nicht von ihrer Maxime der härteren Strafen abrücken werden, denn wie ich schon gestern schrieb: Menschen mit festgefahrenem Weltbild scheren sich einen feuchten Kericht um wissenschaftliche Ergebnisse.

Eine schöne Einsicht findet sich auch als Zitat der Forscher: „In Fällen, in denen das Gesetz nicht von gesellschaftlichen Normen getragen wird, ist es sehr schwierig, die Einhaltung aufrecht zu erhalten.“ – Nun, ich für meine Person frage mich, ob ein Gesetz, dass nicht von der gesellschaftlichen Norm getragen wird, nicht einmal gründlich daraufhin geprüft werden sollte, ob es denn ein sinnvolles Gesetz ist.

In meinem Weltbild sollten Gesetze die Normen und Werte einer Gesellschaft widerspiegeln und somit ermöglichen, von den Werten der Gesellschaft abweichendes Verhalten entsprechend zu sanktionieren. Das ist auch ein Grund, warum wir uns die Leute, die die Gesetze beschließen, wählen und uns die Gesetze nicht von einer ominösen herrschenden Klasse diktieren lassen. Das mit den Königen und das mit einer weltliche Gesetze beschließenden Kirche haben wir ja damals nicht ohne Grund gekippt.

Allerdings habe ich mehr und mehr das Gefühl, dass dieses Weltbild ohnehin nicht mehr der Realität entspricht und uns die Contentmafia durch ihre Marionetten beziehungsweise posttraumatisch belastete Rollstuhlfahrer ihre krude Sicht der Welt mittels Gesetzen aufs Auge drücken – letzteres könnte aber ja jetzt gegebenenfalls besser werden…

Caupano

Written by caupano

28. Oktober 2009 at 17:53

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Warkus spricht über Computerspiele, Gegner empört

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Wie gerne würde ich auch mal über was anderes schreiben, was sie so ergibt, aber die Killerspielgegner lassen mich nicht los.

Am 23.10. sprach Prof.Dr. Hartmut Warkus bei der Veranstaltung „Roter Stuhl“ der SPD Weissacher Tal über so genannte Killerspiele und durfte erleben was passiert, wenn man den Gegner dieses ultimativen Angriffs auf das friedliche Abendland Fakten präsentiert, die nicht in ihr Weltbild passen: Gäste des Vortrag beschwerten sich darüber, genötigt worden zu sein, sich Szenen aus CounterStriken ansehen zu müssen und bezeichneten den Vortrag als eine Werbeveranstaltung für Killerspiele (es berichten die Stuttgarter Nachrichten, bkz-online sowie stigma-videospiele) .

Man fragt sich natürlich, wen die SPD zum Erscheinen genötigt hat – allerdings traue ich es dem Veranstalter eigentlich nicht zu, die Gäste des Vortages mit Gewalt oder durch Drohung mit einem empfindlichen Übel zum Erscheinen gezwungen zu haben, und so verwerflich finde ich das Ansinnen, einen Dialog zwischen Spielern und Nichtspielern erreichen zu wollen eigentlich auch nicht (s. Definition Nötigung in der Wikipedia). Sollten sie nicht unter Zwang da gewesen sein hätten die schwer getroffenen Computerspielgegner ja den Raum auch einfach verlassen können, damit hätten sie auch gleich deutlich gezeigt, wie ernst es ihnen mit ihrer immer wieder der Presse gegenüber geäußerten Diskussionsbereitschaft ist.

Auch zeigt die Wahrnehmung von wissenschaftlichen Forschungsergebnissen als Werbeveranstaltung, was die Gegner dieser Spiele von einen vernünftigen Diskurs halten und demonstriert deutlich, dass sie ihr festgefahrenes Weltbild auf keinen Fall aufgrund harter Fakten überprüfen wollen. Hier sind sie, darin religiösen Fundamentalisten ähnlich, nur zu lautem Gezeter und der Wiederholung immer der selben Phrasen in der Lage, nicht jedoch der kritischen Auseinandersetzung.

Wie sangen doch dereinst die WiseGuys „…das Leben ist zu kurz für Toleranz gegen radikale Deppen…“ (WiseGuys, Das Leben ist zu kurz, Ganz weit Vorne, 2001), nicht, dass ich das jetzt grundsätzlich unterschreiben würde, aber ein Stück weit verstehen kann ich schon, was sie meinten.

Meint der
Caupano

Written by caupano

27. Oktober 2009 at 22:55

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Computerspiele => Gewalt?

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Woher kommt eigentlich das Gefühl in Menschen, dass andere Menschen und insbesondere Kinder und Jugendliche durch das ansehen von virtueller Gewalt selber gewalttätig werden?

Ich fürchte, das haben wir dem Psychologen Bandura zu verdanken: In seiner Bobo Doll Study (1965) [hier stark verkürzt dargestellt, ganzer Aufbau siehe Wikipedia] zeigt er Kleinkindern aggressives Verhalten menschlicher Akteure gegen eine aufblasbare Puppe und beobachtete, dass die Kinder, waren sie später in einem Raum mit eben dieser Puppe, ebenso aggressives Verhalten gegenüber der Puppe zeigten.

Daraus schloss Bandura, dass Menschen gezeigtes aggressives Verhalten lernen und das später auch einsetzen.

Ich muss an dieser Stelle mal sagen, so sehr man die großen Psychologen respektieren muss, ich halte seinen Schluss für falsch:

  • Seine Studien beziehen auch auf Kleinkinder. Daraus auf das Verhalten von Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen zu schließen ist, vorsichtig gesagt, äußerst gewagt.
  • Das Setting ist, wie bei klassischen Experimenten üblich, künstlich geschaffen. Inwieweit sich das Verhalten auf reale Situationen übertragen lässt, ist offen.
  • Seine Studien zeigen, dass die Kleinkinder eine Puppe verprügeln, nachdem sie gesehen haben, wie jemand eine Puppe verprügelt. Auch kleinen Kindern ist klar, dass es einen Unterschied macht, ob man auf einen Teddybären oder seinen Spielkameraden eindrischt. Es ist also fraglich, ob die beobachtete Aggression auch gegenüber Spielkameraden gezeigt worden wäre.
  • Die Studie zeigt die Kinder sofort nach dem Video. Inwieweit sich das angeblich erlernte generelle aggressive Verhalten auch noch eine Stunde oder einen Tag später zeigt, bleibt offen – die Frage, ob das erlernte Verhalten persistent ist, wird also nicht beantwortet.
  • Das Verhalten von Menschen allein auf Modelllernen zu reduzieren zeigt ein sehr eingeschränktes Menschenbild. Wie Menschen lernen ist immer noch Gegenstand der psychologischen Forschung, und es gibt recht viele weitere Lerntheorien. Wenn also Banduras Modelllernen zum menschlichen Lernen gehört, erklärt es allenthalben einen Teil des Erlernten und daraus resultierenden Verhalten.

Ich komme zu dem Schluss, dass Banduras Studie zwar interessant, wohl auch wegweisend aber nicht erschöpfend ist und das Auftreten von Gewalt von Seiten Jugendlicher nicht erklären kann – mehr noch, das Fehlen massiver Jugendgewalt trotz medialer Berieselung durch „Tom & Jerry“ und Western (zur Zeiten Banduras), diverser (Computer-)Spiele (s. gestern) und der Existenz von Ego-Shootern seit 1992 (ein Spiel, das soweit ich weiß immer noch auf dem Index steht, weshalb ich es hier einmal „Schloss Hundefels“ nennen will, um mich nicht der illegalen Werbung schuldig zu machen) zeugt doch davon, dass es ein wenig mehr als Medien braucht, um Menschen dazu zu bringen, andere Menschen zu verletzen oder gar zu töten – sogar, wenn es sich um Jugendliche handelt.

Hach, wenn es nur einen Weg gäbe, das den Bücherverbrennern Gegnern von Computerspielern zu erklären.

Seufzt der
Caupano

Written by caupano

26. Oktober 2009 at 15:21

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Andere Dinge, die so gefährlich sind wie brutale Killerspiele

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Man sollte meinen, die Welt hätte noch niemals solchen Gefahren ins Gesicht sehen müssen wie den brutalen Killerspielen, die ja bekanntermaßen am gewalttätigen Verhalten der Schüler dieser Welt die Schuld tragen sollen – allerdings, dafür wurden auch schon andere Säue durchs Dorf getrieben:

  • 1979 und in den Folgejahren waren es Pen-And-Paper-Rollenspiele (wer sich nicht erinnert: dafür brauchte man noch keinen PC, nur Bleistift und Würfel), wie SpiegelOnline in einem Artikel von 15.10. ganz wunderbar aufzeigt, und
  • 1993 mussten SuperMario und Zelda für eine Geiselname durch einen Schüler in Frankreich den Sündenbock spielen, eine Übersetzung des Artikels findet sich dankenswerterweise bei stigma-videospiele.de

Was lehrt uns das? Die Argumente bleiben gleich, die Böcke wechseln – es bleibt also die Hoffnung, dass brutale Killerspiele irgendwann ihren Rang als gefährlichste Spiele der Welt an ein neues Medium abtreten dürfen, mit dem dann wahrscheinlich unsere Kinder spielen.

Es grüßt,
Caupano

PS: Wer sich wundert, warum in diesem Post so viele brutale Killerspiele vorkommen, möge sich das aktuelle Video von coldmirror ansehen

Written by caupano

25. Oktober 2009 at 21:21

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Noch ein Grund mehr gegen DNA-Datenbanken

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Gerade fand ich bei lawblog einen Link, der zu einem Artikel von SpiegelOnline führte. Es geht dabei um die Zerstörung einer Radarfalle und der Tatsache, dass die mutmaßlichen Täter mittels DNA-Analyse überführt wurden.

Das irritierte mich zuerst, dachte ich doch, dass DNA-Beweise nur bei der Aufklärung von extrem schlimmen Verbrechen eingesetzt werden und dass eine Radarfalle zu zerstören zwar beliebig danaben ist, dass eine solche Tat aber eine DNA-Probe nicht rechtfertigte. Aber weit gefehlt — eine Recherche dazu brachte folgendes zutage:

  1. §316b des StGB beziffert dies als eine Strafe, die mit bis zu 5 Jahren Haft bestraft werden kann,
  2. §81g der Strafprozessordnung regelt, dass bei „einer Straftat von erheblicher Bedeutung“ dieses Beweismittel von einem Richter zulässig ist und
  3. „erhebliche Bedeutung“ bedeutet, so Wikipedia (leider ist der Link zur Quelle kaputt), eine Tat mit Freiheitsentzug von mehr als 4 Jahren.

Daraus folgt logisch, dass durch die erfolgte Sachbeschädigung ein Urteil gesprochen werden könnte, dass diese als schwere Straftat einordnet und somit der DNA-Beweis zulässig ist.

Nun habe ich nichts dagegen, dass Leute, die Sachen zerstören, die ihnen nicht gehören dafür entsprechend bestraft werden, das ganze führt aber trotzdem zu Bauchschmerzen, denn durch eine (immer mal wieder geforderte) DNA-Datenbank möglichst vieler Bürger so schnell die falschen als Straftäter gefunden werden können. Man betrachte folgendes, vollkommen fiktive Szenario:

John Doe, ein Einwohner einer fiktiven Stadt, die wir jetzt einfach mal Bielefeld nennen wollen, hat einen ziemlichen Husten, läuft durch das schöne Bielefeld und spuckt in der freien Wildbahn seinen Rotz aus (das ist nicht sehr fein, aber es gibt ja solche Leute) und trifft den Mast einer Radarfalle.

Nun gab es irgendwann in der Gegend von Bielefeld mal eine Vergewaltigung und alle Männer wurde eine freiwillige Speichelprobe angeboten. Weil John diese Tat nicht begangen hatte und er somit nichts zu verbergen hatte und weil er außerdem fürchten musste, dass er sich bei einer Weigerung verdächtig machen würde, gab er eine Probe ab. Diese wurde analysiert, er kam als Täter nicht in Frage, aber weil bei den Behörden immer so viel Arbeit ist, wurde diese Probe aus Versehen nicht vernichtet bzw. die Daten nicht gelöscht sondern liegen jetzt schon seit Jahren in einer zentralen Datenbank unter dem Stichwort „Sexualdelikte“ herum.

Irgendwann in dieser Erkältungssaison haut so ein Spacken einen Blitzer in Bielefeld zu Klump — dummerweise ist das der Blitzer, an den John ohne jede Böse Absicht irgendwann seinen Rotz entsorgt hat. Die Polizei findet keine großen Hinweise auf den Täter, aber da ist ja diese DNA-Spur am Mast. Sie wird analysiert und (oh Wunder) führt zu einem Gewissen Herrn Doe, Vorname John, der mal wegen einer Vergwaltigung eine Speichelprobe abgegeben hat. Sofort gehen bei den Beamten alle roten Lampen an, John wird mitten in der Nacht aus seiner Wohnung und noch im Schlafanzug sicherheitshalber verhaftet.

Es kommt, wie es kommen muss, und John kommt wegen schwerer Sachbeschädigung für fünf Jahre in den Knast, die Presse nennt ihn außerdem mit vollem Namen und eben auch die Vergewaltigung, bei der die Probe eingesammelt wurde. Nach fünf Jahren kommt er wieder raus, sein Leben ist zerstört, seine Frau und Kinder sind weg und niemand will mehr mit ihm zu tun haben.

Daher: Auf keinen Fall niemals nicht freiwillig DNA-Proben abgeben, Leute!

Caupano

Written by caupano

24. Oktober 2009 at 18:35

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Die UN Menschenrechtscharta hat einen speziellen Abschnitt, die sogenannten grundlegenden Rechte. Diese sind das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit sowie Schutz vor Folter, Menschenversuchen ohne Einwilligung des Patienten, vor Zwangssterilisation und Zwangskastration, Schutz vor Körperstrafen und Prügelstrafen sowie Schutz vor entwürdigender oder erniedrigender Behandlung (wie beispielsweise Ehrenstrafen). Dies sind die unveräußerlichen Rechte eines jeden Menschen, Rechte, die jeder Mensch mit seiner Geburt (manche sagen auch schon mit dem Moment seiner Zeugung, aber das ist hier unerheblich) erwirbt und die er nicht verwirken kann. So zumindest ist die Theorie.

In der Praxis gibt es viele Staaten, die Menschen diese grundlegenden Rechte aberkennen, so treten zum Beispiel die als Vorkämpfer der Menschenrechte wahrgenommenen USA immer noch für Todesstrafe ein.

Seit heute gibt es nun ein Land mehr, dass sich gegen diese Rechte stellt, denn Polen hat die chemische Zwangskastration von Sexualstraftätern beschlossen, deren Opfer Kinder waren (SpiegelOnline berichtet).

Über das Thema Zwangskastration berichtete Tanja Geusert für suite101.de bereits vor einem Monat, sie stellt fest, dass reversible chemische Kastration in Europa nicht illegal ist. Allerdings ist auch hier der übliche Wille nach Ausweitung zu finden, der auch schon bei anderen Dingen immer wieder zu finden ist, so wurde ihrer Darstellung nach diese Maßnahme in Tschechien bereits auch bei weniger schweren Vergehen wie z.B. exhibitionsitischen Verhalten angewendet. Es stellt sich also die Frage, wie bald eine Anwendung einer chemischen Kastration bei vom aktuellen Gesellschaftskonsenz abweichendem Sexualverhalten eingesetzt wird – will sagen, wann fordern die entsprechenden Länder entsprechende Behandlungen für Homosexuelle? Ich denke, eher bald als nie.

Ich kann mich Geuserts Schlusswort nur anschließen: Diese Frage ist ähnlich grundsätzlich wie die Frage nach der Todesstrafe für Mörder, der Zensur des Internets im Allgemeinen oder dem Abhacken der Hände von Dieben.

Ich muss da an Volker Pispers denken „Man will sich rächen. Da sein sie doch mal ehrlich. Wenn wer was Schlimmes anstellt, dann will man sich rächen.“, und das scheint mir auch hier der Fall sein. Es geht um Rache, nicht um wirksame Präventionsarbeit oder Therapie.

Meint der
Caupano

Written by caupano

22. Oktober 2009 at 16:36

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Putatives Wegsperren in Dänemark?

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Gulli.com berichtet, dass in Vorbereitung auf des UN-Klimagipfels in Dänemark drastische Maßnahme diskutiert werden: 12 Stunden Haft für Menschen, bei denen die Polizei sich vorstellen kann, dass sie planen könnte, vielleicht Ordnungswidrigkeiten zu begehen (wiederum verweise ich auf diesen Blogeintrag zum Thema „unverdächtiges Verhalten“), Verfünffachung der Bußgelder für Störung der öffentlichen Ordnung, 40 Tage Haft ohne Bewährung für Straßenblockaden.

Jau! Und wenn das nicht hilft: Knüppel aus dem Sack, oder gleich alle niederschießen. Gibt es eigentlich noch ein Land, in dem man in den Freiheiten leben kann, in die ich geboren wurde? In denen ein Demonstrant noch Demonstrant sein kann, wo er einfach friedlich für seine Meinung einstehen kann und lautstark andere darauf aufmerksam machen darf, ohne fürchten zu müssen, dafür gleich eingesperrt oder verprügelt zu werden? Und wo führt uns das hin?

Man weiß es nicht oder will nicht drüber nachdenken.

Caupano

Written by caupano

21. Oktober 2009 at 05:44

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