Caupanos Welt

Eine Sammlung dessen, was mit so begegnet

Und weiter gehts mit der Zensur

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Jaja, die Netzzensur, die lässt mich ebenso wenig los wie die Computerspiele.

Gerade berichtet netzpolitik.org, dass die Junge Union (JU) vorschlägt, die gerade von der neuen Regierung erst einmal zu gestoppte Zensur des Internet bezüglich kinderpornographischer Inhalte auf „demokratiefeindliche Inhalte mit islamistischem Hintergrund“ auszuweiten, und zwar, und das ist der größte Witz schlechthin, mit der Begründung, dies sei ja „bereits erfolgreich angewendet“.

Es stellt sich die Frage, in wie weit die JU verfolgt, was ihre Regierung so beschließt. Man sollte meinen, dass die Parteien, die gerade an der Macht sind, am besten über das informiert sind, was im Rahmen der Koalitionsvereinbarungen beschlossen wurde. Scheint aber nicht so zu sein. Vielleicht solltet ihr euren Jugendverbänden mal euren Koalitionsvertrag zu lesen geben, liebe Regierung…

Btw: Schön ist auch dieser Satz „…dürfen solche Maßnahmen nur ganz gezielt auf demokratiefeindliche Inhalte mit islamistischem Hintergrund angewendet werden. Es darf keine Zensur im Internet stattfinden.“ soll heißen: So lange wir Sachen zensieren, die uns nicht gefallen finden, ist das keine Zensur. Dazu aus der Wikipedia, Stichwort Toleranz: „Toleranz, auch Duldsamkeit, ist allgemein ein Geltenlassen und Gewährenlassen fremder Überzeugungen, Handlungsweisen und Sitten.“

Wer das Werk in Gänze lesen will, schaue einfach hier.

Es grüßt der
Caupano

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Written by caupano

9. November 2009 at 14:58

Veröffentlicht in Politik

Ein paar Gedanken zur Schweinegrippeimpfung

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Die Impfung gegen den Erreger Influenza-A-Virus H1N1 (A/H1N1), in den Medien auch als „Schweinegrippe“ bekannt, wird ziemlich kontrovers Diskutiert – unterschiedliche Impfstoffe für die verschiedenen Berufe wie die Sorge vor den als Wirkverstärker eingesetzten Adjuvantien lassen die Presse und große Teile der Bevölkerung an einer Impfung zweifeln, die glücklicherweise bisher geringe Rate von Todesopfern der durch das Virus ausgelösten „neuen Grippe“ tut ihr ihriges, unsere Landsleute von der Impfung abzuhalten.

Ich habe einmal nachgelesen, wobei es sich bei diesen Adjuvantien so handelt. Als Adjuvans kommt das Adjuvant System 03 aus Squalen, DL-α-Tocopherol (Vitamin E) und Polysorbat 80 zum Einsatz. Womit haben wir es hiermit zu tun?

  • Squalen ist eine Zwischenstufe der Biosynthese von Cholesterin, Steroiden und Vitamin D, wesentlicher Bestandteil der Hautlipide und kommt ebenfalls im Blutserum des Menschen vor. Es handelt sich also um einen natürlicherweise im menschlichen Organismus vorkommenden Stoff. Squalen kann, nach experimentellen Studien von W.B. Szostak und D. Szostak-Wegierek, eine verbesserten Leistung des Immunsystems hervorrufen.
  • Vitamin E ist ein wichtiges Vitamin und ist auch Inhaltsstoff vieler Multivitaminzubereitungen. In der Nahrungsmittelindustrie wird Vitamin E als Antoxidans eingesetzt, also um zu verhindern, dass das Lebensmittel durch den Luftsauerstoff verdirbt – das wird wohl auch bei dem Impfstoff der Fall sein.
  • Polysorbat 80 ist ein Emulgator, seine Sufgabe ist also dafür zu sorgen, dass Fett- und Wasserphase einer Emulsion eine stabile Verbindung eingehen. Polysorbat 80 ist in der EU als Lebensmittelzusatzstoff der Nummer E 433 zugelassen

Die Stoffe, die in dem Impfstoff als Wirkstoffverstärker eingesetzt werden, sind also nicht irgendwelche merkwürdigen Stoffe sondern solche, die Stoffe sind, die sehr bekannt und in zwei von drei Fällen sogar normalerweise im Körper vorkommen und benötigt werden. Allein der Emulgator ist kein körpereigener Stoff aber ein zugelassener Zusatzstoff für Lebensmittel und darf auch für Injektionsarzneimittel eingesetzt werden.

Adjuvantien führen zu einer lokalen Gewebereizung und binden außerdem das Antigen, so dass es nur verzögert freigesetzt wird. Dadurch werden eine erhöhte Antikörperbildung und eine verstärkte Immunantwort erreicht. Das heißt, dass es um den Einstich zu einer schmerzenden oder juckenden Rötung oder Schwellung des Gewebes kommen kann. Alle anderen Nebenwirkungen, die der Impfe zugeschrieben werden, sind grippeähnliche Symptome wir Husten, Kopf- und Gliederschmerzen und Abgeschlagenheit oder auch schlimme Nebenwirkungen wie mögliche Herz- und Atemstillstände oder Lähmungen sind, soweit ich das beurteilen kann, auf die Virusteile und nicht auf die Wirkverstärker zurückzuführen und dürften auch Risiko einer adjuvantienfreien Impfe sein (das mit den grippähnlichen Symptomen ereilt mich jedes Jahr nach der saisonalen Grippeimpfung…)

Was auch immer die Nebenwirkungen auslöst, soll man eine Impfung riskieren? Ich denke ja. Nach dem epidemiologischen Bulletin des Robert-Koch-Instituts tötet die normale Grippe jedes Jahr um die 1000 Bundesbürger. Auch wenn die neue Grippe wohl noch nicht so gefährlich ist, ist es um ein vielfaches leichter, sich mit ihr anzustecken, und auch wenn man an der Grippe nicht gleich stirbt – wer einmal einen Grippefall beobachtet hat wird sich kaum mehr fragen, ob sich sich lohnt, sich impfen zu lassen. Ich hatte das zweifelhafte Vergnügen zu beobachten, wie mein Vater vor ein paar Jahren von der Influenza erwischt wurden: tip-top in Form am Morgen, nur-noch-im-Bett-liegen-können am Nachmittag, beinahe eine Woche vollkommen aus dem Verkehr gezogen. Dabei ist auch ein „milderer Verlauf“ einer „Schweinegrippe“ nichts, was ich für mich ausprobieren muss. Um das zu verhindern riskiere ich gern einen schmerzenden Arm und ein paar Tage Husten.

Wenn man an die Folgen denkt, was passieren würde, wenn der ansteckende neue Virus zusammen mit dem tödlicheren alten Virus in einem Körper zusammen zu einem noch gefährlicheren Virus mutiert, dann wird einem ganz anders.

Interessantererweise ist der von der Bundesregierung und der Bundeswehr eingesetzte Impfstoff derjenige, dem dadurch, dass er nicht nur Teile der Virushülle sondern das komplette, inaktivierte Virus enthält, ein höheres Nebenwirkungsrisiko unterstellt wird – reden wir also wie die BILD von einer Zwei-Klassen-Impfung, ist es unsere Regierung und unsere Armee, die das höhere Risiko der Impfung trägt, nicht die Bevölkerung.

Das geschriebene stellt natürlich nur meine Meinung dar. Ich kann, will und werde keine Verantwortung dafür übernehmen, dass die von mir recherchierten Informationen zu 100% korrekt sind, noch dafür, dass einem/r LeserIn durch Folgen oder Nichtfolgen meiner Schlussfolgerungen in irgend einer Form Schaden entsteht. Du bist selbst für Deine Entscheidungen verantwortlich, auch für die, Dich impfen zu lassen oder nicht. Ich lehne die Verantwortung dafür entschieden ab, Du bist groß genug, selber nachzurecherchieren und Dir deine eigene Meinung zu bilden – das Blog hier hast Du ja auch gefunden 😉

Es grüße,
Caupano

Written by caupano

7. November 2009 at 21:30

Veröffentlicht in Medizin

Es geht weiter…

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So langsam bekomme ich immer mehr das Gefühl, dass Menschen in unserem Land aus unserer Geschichte nicht das geringste gelernt haben.

Zuerst hatten wir dieses Jahr den Beschluss von Zensurgesetzen über das Internet durch DNS-Sperren und Plänen zur Errichtung einer Infrastruktur, die geeignet ist, die freie Wahl des DNS-Servers von Seiten des Dienstnehmers zu unterbinden, ein Gesetz, dass durch die neue Regierung nicht gestoppt sondern allenthalben auf die lange Bank geschoben wurde, wohl mit der Hoffnung, die Aktivisten würden im Laufe des „Evaluationszeitraum“ vergessen, dass es überhaupt existiert hat und es dann ohne Probleme durchzusetzen.

Danach wurde die durch die Amokläufe der letzten Jahre angestoßene Diskussion um Computerspiele weiter verschärft: Presse und private Vereine wiederholten wieder und wieder die Mär von der angeblichen Beeinflussung der Jugend durch Computerspiele, und das so lange und intensiv, dass mittlerweile sogar intelligente und ansonsten medienkritische Freunde von mir glauben, dass an der ganzen Sache ja irgend etwas dran sein muss (so hat das Cato damals auch geschafft). So konnte, unter durchweg positiver Berichterstattung der etablierten Medien, das Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden eine Compupterspielvernichtungsaktion in Stuttgart durchführen und genügend Geld zusammenbekommen, eine Stiftung zu gründen, über die ich bereits berichtete.

Aber damit hört es nicht auf. Mittlerweile ist zu lesen, dass Heinz Veigel, Lehrer aus Altensteig und Mitglied der pietistischen Ludwig-Hofacker-Vereinigung, es dem AAW nach tat und in seiner Klasse eine „Killerspielvernichtungsbox“ aufstellte. Für die von der Gesellschaft erscheinende Zeitung „Information und Orientierung“ berichtete er, diese Box fände „große Resonanz“.

Wenn meine Internetrecherchen zutreffend sind, dann handelt es sich bei dieser Schule und die Realschule Altensteig, allerdings gibt es dort keine Informationen über das Kollegium einzusehen – auch nicht, ob und was Herr Veigel dort unterrichtet.

Das ganze ist ein Skandal, anders kann ich das nicht nennen. Ein Lehrer, der seine minderjährigen Schüler (die meisten sollten eine Realschule mit 16 Jahre verlassen) dazu auffordert, Kulturgüter zu vernichten, gehört dafür abgemahnt.

Der Lehrer (wenn es sich nicht um eine zufällige Namensgleichheit handelt) gehört übrigens zum Trägerkreis einer Gruppe von Menschen, deren erklärtes Ziel es ist, das Schulsystem zu unterwandern und es gemäß ihrer religiöser Auffassungen umzugestalten: (ich zitiere von der Webseite www.christen-erziehen.de)

Christen erziehen will deshalb […] ein Netzwerk aller am Erziehungsauftrag beteiligten Gruppen […] aufbauen, […] [um] als Christen in der Schule zu wirken, und dadurch Einfluss auf das Erziehungssystem zu nehmen.“

Ich bin schockiert und werde mich mal an die Piratenpartei Baden-Württemberg wenden, ob die nicht irgend etwas in der Sache unternehmen können.

Es grüßt
Caupano

Written by caupano

5. November 2009 at 14:58

Veröffentlicht in Computerspiele, Politik

Studien über Pornographie übertragen auf Killerspiele

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Von Mortipher in den Kommentaren von stigma-videospiele.de darauf aufmerksam gemacht habe ich mir einmal etwas über Studien angesehen, die es über den möglichen Zusammenhang von Pornographie und Sexualstraftaten gibt.

Die Idee dabei war, dass hier ja auch ein Konsum von Medien stattfindet, die Gesellschaftlich nicht sehr gut ankommen und auch hier immer wieder das Argument gebracht wird, dass Menschen, die Pornos sehen, das Gesehene in Form von Sexualstraftaten in die Tat umsetzen würden. Ich muss aber zugeben, dass mir im Moment die Zeit fehlt, die Studien alle selber zu lesen, weshalb ich mir erlaube die Dinge, die ich für relevant halte, von Martin Ebers übernommen habe, von dem auch die Quellenangaben stammen (@Martin Ebers: Wenn Sie das lesen: ein großes DANKE fürs an-meiner-Stelle-Lesen-und-Zusammenfassen, hoffe, Sie können mit der Übername mit Quellenangabe zu Ihnen leben, sonst lösche ich das hier wieder …).

Kuchinsky[1] zeigt auf, dass Sexualstraftäter in ihrer Jugend nicht mehr, sondern weniger Kontakt zu Pornographie hatten als gleichaltrige, als Erwachsene nicht mehr Pornographie konsumierten als andere Erwachsene ihrer Schicht und direkt nach dem Konsum nicht häufiger sexuell aktiv waren als Nichttäter.
Weiterhin stellt er die These auf, dass Ponographie geeigent sei, sexuelle Spannungen abzubauen, die andernfalls zu Straftaten geführt hätten. Um dies zu belegen, setzt er die Fallzahlen von Sexualverbrechen in Beziehung zu der Herangehensweise in Bezug auf Pornographie und stellt in der Tat fest, dass in Phasen der Liberalisierung die Anzahl der Straftaten mit sexuellem Hintergrund sinken, während sie in Phasen der rigideren Herangehensweise steigen. Insbesondere für Deutschland stellt er fest, dass seit der Legalisierung der Ponographie im Jahre 1973 die Fallzahlen stetig gesunken sind.

Für Japan kommen Diamond und Uchiyama[2] zu demselben Schluss. So nahmen dort seit Legalisierung der Pornographie die Fallzahlen von Vergewaltigungen um 68%, die von Sexualstraftaten im Allgemeinen um 85% ab.

Darüber hinaus stellt Ertel[3] fest, dass sich das Verhältnis zu Sexualität und Partnerschaft von Konsumenten und Nichtkonsumenten nicht unterscheidet und findet weiterhin keine Hinweise, dass es beim Konsumenten zu einer Art Abstumpfung oder Gewöhnung kommt, so dass er, wie häufig behauptet wird, immer härteres Material „braucht“.

Alles in Allem ist also festzustellen, dass entgegen der langläufigen Meinung der gesellschaftliche Konsum von Pornos diese nicht nur nicht negativ beeinflusst, sondern diese sogar, durch eine Senkung der Sexualverbrechen, verbessert.

Überträgt man diese Ergebnisse nun gedanklich auf die so genannten „Killerspiele“, kommt man zumindest zu der These, dass auch diese dazu beitragen könnten, dass potentielle Täter ihre Frustration am Computer kompensieren und es dadurch zu einem Spannungsabbau kommt und somit der Spieler dieser Spiele eben gerade nicht gewalttätig wird und wir langfristig durch das legale Vorhandensein dieser Spiele einen Rückgang der Gewalttaten unter Jugendlichen werden beobachten können.

Caupano

[1] Kutchinsky, Berl, „Pornography, Sex Crime, and Public Policy“, in: Sally-Anne Gerull/Boronia Halstead (Hrsg.), „Sex industry and public policy“, AIC Conference Proceedings No.14, Canberra: Australian Institute of Criminology, 1992

[2] Diamond, Milton; Uchiyama, Ayako, „Pornography, Rape, and Sex Crimes in Japan“, in: International Journal of Law and Psychiatry, Vol.22(1), 1999, S.1-22

[3]Ertel (1990), keine genauere Quelle angegeben.

Written by caupano

5. November 2009 at 06:37

Veröffentlicht in Computerspiele

Lebensgefahr im Stadion

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Während hier und andererseits für und wider der vermeintlichen Gefahr von Computerspielen geschrieben und diskutiert wird, hat es eine reale Lebensgefährdung mal wieder in die Nachrichten geschafft: Der Fußball.

Gestern kam es nach der Zweitligapartie zwischen Rostock und St. Pauli zu massiven Ausschreitungen gewaltbereiter Menschen (an dieser Stelle heißt es üblicherweise „Fans“, aber das haben die Fans nicht verdient) im Stadion. Es habe, so Rainer Wendt von der deutschen Polizeigewerkschaft gegenüber heute, „mal wieder […] akute Lebensgefahr“ für im und um das Stadion postierte Beamte, aber auch für Unschuldige und Journalisten im Stadion bestanden.

Im Interview mit dem Morgenmagazin (leider nicht mitgeschnitten und auch nicht wiedergefunden) wiederholt er dieses, auf Nachfrage spezifiziert er „Wenn mit Eisenstangen auf Menschen eingeprügelt wird, wenn massiv Steine fliegen, wenn Leuchgeschosse im Spiel sind, dann geht es nicht um ein bisschen Unwohlsein. Da ist es eigentlich nur dem Zufall und den eingesetzten Beamten zu verdanken, dass noch niemand dabei getötet wurde“.

Auch der DFB berichtet von einer „neuen Qualität“ der Gewalt gerade gegen Polizisten, die augenscheinlich von langer Hand geplant ist.

Neben dem Risiko, im Stadion verletzt oder getötet zu werden kostet das auch noch einen Haufen Geld. Ich, als jemand, der sich nicht im Geringsten für Fußball interessiert, frage mich, warum ich das bezahlen soll. Im selben Interview wies Wendt darauf hin, dass er vom DFB 50 Millionen Euro jährlich als angemessene Beteiligung an den Polizeieinsätzen fordert, das sei „gerade mal die Hälfte der Personalkosten“. Wenn man sich überlegt, dass also in Zeiten, in denen darüber geredet wird, die Sozialleistungen des Staates wegen leerer Kassen zu kürzen 100 Millionen Euro Steuergeld im Jahr allein dafür ausgegeben werden müssen, dass Beamte an Stadien Dienst tun (und da sind alle Kosten drumherum ja noch gar nicht drin. Anfahrt, Unterbringung, Fahrzeuge, Ausrüstung, usf. sollten auch noch mal einen großen Batzen verursachen) frage ich mich schon, was das mit mir zu tun hat und warum ich als Steuerzahler das komplett bezahlen soll.

Außer Panem et Circensis fällt mir keine Begründung ein – und selbst die greift nicht, das Volk bleibt ja trotz Spielen nicht ruhig…

Caupano

Written by caupano

4. November 2009 at 07:02

Veröffentlicht in Uncategorized

Genau hingesehen: helles Tageslicht auf die AAW-Stiftung

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Allzu häufig wird darüber geklagt, in unserer Gesellschaft gäbe es eine Kultur des Wegsehens. Nun, ich will es besser machen und habe ganz genau hingesehen, nämlich in die Stiftungsbroschüre des AAW. Meine Gedanken dazu gibt es hier:

(1) Seitentitel „Vorworte“

„Das Gesehene und Erlittene hat die Betroffenen zu Seelenverwandten zusammengeschweißt“

Schobers Führungsstil hat schon einige der Seelenverwandten aus den Reihen des AAW herausgetrieben (s. Post vom 16.10.)

(2) Seitentitel „Aus der Satzung der Stiftung“

„Die evangelische Kirche erfüllt wichtige Aufgaben im Leben von Kindern und Jugendlichen im Hinblick auf Bildung, Erziehung und Betreuung.“

Ich will hier die evangelische Kirche nicht kleinreden, frage mich aber, ob die evangelische Kirche hier allein genannt werden sollte. Zum einen gibt es auch noch andere, zum andere ist die evangelische Kirche aber auch nicht für alle geeignet, Kinder mit anderem religiösen und konfessionellem Hintergrund mögen gegebenenfalls gar nicht von der evangelischen Kirche vertreten werden.

(3) Seitentitel „Was wir jetzt nicht bewegen, wird möglicherweise nie bewegt“

„Obgleich bis heute keine einheitlichen Erklärungsmuster existieren, scheinen Parallelen erkennbar“

Hier werden Schlüsse aus dem Scheinbaren gezogen. Dazu erübrigt sich wohl jeder Kommentar.

„Die jugendlichen Täter gelten als still und unauffällig […] stets liegt ein auffälliger […] Medienkonsum vor“

Was denn nun? Auffällig oder nicht? Da sollte man sich schon entscheiden…

Außerdem hat Georg R. (Amoklauf von Ansbach) keine entsprechenden Computerspiele gespielt.

„Bei Ego-Shooter-Spielen lernen die Täter nicht nur Treffsicherheit[…]“

Wenn man mit Maus und Tastatur zielt, lernt man gar keine Treffsicherheit mit Waffen, das ist kompletter Unsinn, wie jeder, der schon einmal mit Waffen umgegangen ist, bestätigen kann.

„[Computerspiele, in denen] ein bewaffneter Aggressor virtuelle Gegner abschießt[…]“

Der Spieler, dass muss man hier einmal festhalten, ist in der überwiegenden Mehrzahl (um nicht zu sagen quasi allen) der Shooter nicht Agressor. Die Spielperspektive ist in der Regel die Sicht eines Soldaten oder Mitglieds einer Spezialeinheit, der die Welt, sein Land oder unschuldige vor den Agressoren beschützt. Einige Beispiele

  • Doom 1,2,3: Gespielt wird ein Soldat der Marines, der auf anderen Welten die Mächte der Hölle bekämpft
  • FarCry: Gespielt wird ein Ex-Marine, der aufgrund äußerer Umstände gegen eine Gentechnikfirma kämpfen muss, die genetisch veränderte Superkrieger züchten will
  • Call of Duty 1,2,3: Der Spieler kämpft in der Rolle verschiedener alliierter Infanteristen im zweiten Weltkrieg gegen Nazideutschland

Für persönlichkeitsgestörte Jugendliche gelten diese Spiele als möglicher Risikofaktor[…]

Man lasse sich das auf der Zunge zergehen: Für psychisch Kranke Jugendliche gelten diese Spiele als möglicher Risikofaktor. Hier ist die Broschüre eigentlich sehr genau: Man weiß nicht im geringsten, ob auch nur einer der Punkte mit irgend einem anderen in irgend einer Weise zusammenhängt. Schade nur, dass man sich trotzdem zutraut, aus dieser unsicheren Basis Schlüsse zu ziehen.

„[…]Gefährdung durch Waffen, Killerspiele und Gewalt[…]“

Diese Gefährdung ist auch einen Absatz später immer noch nicht wissenschaftlich erwiesen, bei Computerspielen ist sogar bewiesen, dass sie keine Gefährdung darstellen.

„Gründung eines Expertenrates mit Rechtswissenschaftlern, Kriminologen, Psychiatern, Psychologen und Erziehungswissenschaftlern. Der Rat soll Risikofaktoren erkennen, einen Katalog erarbeiten und in schnell realisierbare Präventionsprojekte umsetzen.“

Ich denke nicht, dass dieser Rat durch neutrale Forschung und Recherche zu Ergebnissen kommen kann. Was passiert, wenn man die Spielekiller mit Fakten konfrontiert, die nicht in ihr Weltbild passen, hatte ich am 27.10. bereits berichtet.

Darüber hinaus bin ich kein Fan von Schnellschüssen, schnell realisierbare Präventionsprojekte müssen nicht unbedingt diejenigen sein, von denen die besten Ergebnisse zu erwarten sind – wo allerdings keine ordetnliche Grundlagenforschung zu erwarten ist, ist es eigentliche sowieso egal…

„Realisierung einer Musterschule mit Vorbildcharakter für ein Höchstmaß an Sicherheit in Hinblick auf Krisenplanung, bauliche Maßnahmen wie […] der Einbau von Sicherheitstüren (Spion, schusssicher, Türknauf statt -griff)[…]“

Und da sind sie schon, die Schnellschüsse, vor denen ich gewarnt hatte. Erstmal bauen, dann erforschen. Wer denkt sich sowas nur aus?

Außerdem halte ich eine mit schusssicheren Türen und ähnliche baulichen Maßnahmen ausgestattete Schule für ungeeignet, um junge Menschen zu erziehen. In einem Gebäude, dass den Charme von Alcatraz ausstrahlt, sind Kinder und Jugendliche wohl kaum zu freien und selbstverantwortlichen Erwachsenen zu erziehen. Umfragen unter Schülern zeigen, dass schon Kameras geeignet sind, das Lernklima sehr negativ zu beeinflussen (Pressemitteilung der LandesschülerInnenvertretung NRW), und da waren andere Maßnahmen noch nicht einmal angedacht.

Darüber hinaus zeigen Studien, dass durch das Anbringen von Videoüberwachungsanlagen die Angst davor, Opfer eines Verbrechens zu werden ansteigt. (Kata Veil: „Videokontrolle und Planung für den öffentlichen Raum“, Florian Glatzner: „Die staatliche Videoüberwachung des öffentlichen Raumes als
Instrument der Kriminalitätsbekämpfung
“). Wenn dies schon für Kameras gilt, ist nicht zu erwarten dass andere, noch offensichtlichere Maßnahmen die Angst vor einem Amoklauf noch mehr verstärken? Und ist es wünschenswert, dass unsere Kinder in ihren Schulen, in denen sie einen gutteil ihrer Zeit verbringen, dauerhaft der Angst ausgesetzt werden, sie könnten von einem psychisch kranken Täter überraschend ermordet werden? Ich finde nicht.

„Kanalisierung […] Veröffentlichung und möglichst flächendeckende Verbreitung [der Erfahrungsberichts aus bestehenden Schulprojekten. […] Die Projekte stärken das Vertrauensverhältnis zwischen Lehrern und Schülern“

Hatte ich bereits von voreiligen, unbewiesenen Schlüssen geschrieben? Ich denke schon. Eine gute Idee wäre es, die Erfahrungsberichte zunächst einmal zu sammeln, die Projekte durch geeignete Maßnahmen zu evaluieren und diese Ergebnisse zu veröffentlichen. Projekte mit guten Ergebnissen könnten dann an andere Schulen verteilt werden. Auf diesem Weg könnten sehr viele Schulen von Modellprojekten profitieren. Wenn man aber ohne Evaluation Schlüsse zieht, gibt man leicht Unmengen von Geld und Ressourcen für Projekte aus, die keinen positiven Effekt haben (s.o.).

Finanzierung von Schulpsychologen, um Lehrer bei auffälligen Schülern zu unterstützen

Prinzipiell eine sehr gute Idee. Aber: Die Täter der Amokläufe in Deutschland waren unauffällig, das steht sogar ganz vorne in der Broschüre drin. Auch wenn die Psychologen sicherlich gebraucht werden, die Täter wären mit ihnen sicherlich nicht in Kontakt gekommen (außer durch auffällig unauffälliges Verhalten, über das ich ja bereits schrieb).

„Der Notruf soll aber auch gezielt Jugendlichen helfen, die sich in der Schule benachteiligt und/oder der Verfolgung und dem Spott von Kameraden, Mitschülern und Lehrern oder einem enormen Leistungsdruck der Eltern ausgesetzt fühlen.“

Einen solchen Notruf gibt es bereits. Man nennt dieses Projekt das Kinder- und Jugendtelefon (KJT) oder auch die Nummer gegen Kummer. Unter 0800 1110333 kümmern sich deutschlandweit unzählige Eherenamtliche um die großen und kleinen Sorgen der Kinder. Warum das AAW diese Arbeit durch ein Konkurrenzprodukt torpedieren möchte, ist mir unklar. Oder weiß man vielleicht gar nicht, dass es so etwas gibt? Hilfreich wäre in jedem Fall, statt einen neuen Notruf zur Beratung Jugendlicher einzurichten dem KJT das dafür vorgesehene Geld zukommen zu lassen, aus dass die etablierte und gute Arbeit noch weiter ausgebaut und verbessert werden kann.

(4) „Pressearbeit“

Durch die Berichterstattung in den Medien sollen Regierungsgremien, Gesetzgebung und Bevölkerung auf bestehende Risikofaktoren für Schul-Amokläufe sensibilisiert werden.

  • Zusammenhang zwischen Amok und Zugang zur Tatwaffe[1]
  • Intensiver Gebrauch von Killerspielen [2]

Und an dieser Stelle weiß ich auch, warum ich mir bei den AAW-Publikationen wie bei einer Rede von Cato fühle. „Ceterum censeo Carthaginem esse delendam“ – wenn man es nur oft genug wiederholt wird schon irgendwas hängen bleiben, und das sagt das AAW hier ja auch ganz klar: Die Berichterstattung soll den Einfluss ausüben. Fakten, Studien und ähnliches zu verwenden ist einfach nicht der Stil des AAW.

[1] Das Tatwaffe alles mögliche sein kann, hat Georg R. bereits bewiesen. Außerdem sei darauf hingewiesen dass es Schützenvereine (die ja immer gern als „Quelle“ der Tatwaffen angesehen werden) schon deutlich länger als die Bundesrepublik Deutschland gibt – hätten diese also einen Einfluss, müssten wir uns bereits alle gegenseitig umgebracht haben…

[2] Wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder wird falscher wiedergekäut. Der aufmerksame Leser lese die Studien, die ich angegeben habe.

Fazit

Die zu gründende Stiftung des AAW wird leider genau das gleiche gequirte Exkrement wie das AAW verbreiten, fordern und fördern. Hätte man sich stattdessen zu einem Programm der ergebnisoffenen Forschung mit Experten entschlossen, wäre es vielleicht möglich gewesen das ganze eingesammelte Geld zu einem vernünftigen Zweck zu verwenden und damit tatsächlich Amokläufe zu verhüten. So wird es nur eingesetzt, um die Kluft zwischen Spielern und Nichtspielern bzw. Schützen und Nichtschützen weiter zu vergrößern.

Schade, meint der
Caupano

Written by caupano

3. November 2009 at 07:19

Veröffentlicht in Computerspiele, Politik

Neues Gesicht der EKD?

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Die Evangelische Kirche in Deutschland hat seit gestern eine neue Vorsitzende, Frau Dr. Margot Käßmann löst den bisherigen Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber ab.

Eigentlich geht mich das als Katholik ja gar nichts an, aber komisch wird es schon sein, sich daran zu gewöhnen, dass der Huber nicht mehr da ist, hat er doch in den letzten Jahren seiner Kirche ganz klar eine Gesicht in den Medien gegeben und deutlich und hörbar Stellung genommen zu diesem und mal zu jenem Thema – das wünsche ich mir durchaus auch von Frau Käßmann.

Ihre Vita lässt ja hoffen, ist sie doch, wie Huber, Trägerin des Verdienstkreuzes der BRD (allerdings einer um zwei geringeren Stufe als ihr Amtsvorgänger), erlangte 2001 den Predigtpreis des Verlags für deutsche Wirtschaft und die Ehrendoktorwürde des Fachbereichs Erziehungswissenschaften von der Universität Hannover.

Die evangelische Kirche macht damit vor, was die katholische Kirche noch nicht mal ein kleines Stück erreicht hat: in ihre Ämter werden Menschen berufen, denen man es zutraut, diese auszufüllen, und das ohne Einschränkung ihres Geschlechts. Ich bin ja mal sehr gespannt, wie sich die ökumenischen Gespräche entwickeln, wenn eine Frau der Verhandlungspartner „meiner “ Bischöfe ist.

Caupano

Written by caupano

29. Oktober 2009 at 15:56

Veröffentlicht in Kirche